Was ist GULAG?

GULag ist eine Abkürzung für Glawnoje uprawlenije isprawitelno-trudowych lagerej i kolonij (Hauptverwaltung der Besserungsarbeitslager und -kolonien). Diese „Besserungslager“ waren Straflager im sowjetischen Staat unter Stalin. Offiziell existierten sie zwischen 1930 und 1956. Über das ganze Land verteilt gab es tausende Lager, Gefängnisse und andere Anstalten, in denen Terror gegen die eigene Bevölkerung ausgeübt wurde und Menschen Zwangsarbeit leisten mussten. Dieses Netz von Orten der Repression ist mit der Abkürzung GULAG gemeint. Das System wurde ab 1929 aufgebaut und unterstand zunächst der Geheimpolizei, ab 1934 dem Geheimdienst NKWD. Nach Stalins Tod wurden die Lager nach und nach geschlossen. 1956 wurde das GULAG-System auf dem XX. Parteitag der KPdSU formell abgeschafft und die dort inhaftierten politischen Häftlinge amnestiert.

In der Regierungszeit Stalins wurden etwa 20 Millionen Menschen inhaftiert, mehr als 2 Millionen starben an den harten Lebensbedingungen oder wurden ermordet. Die Gefangenen waren zu einem großen Teil Systemkritiker*innen oder Menschen, die dafür gehalten wurden, aber auch Kriminelle. Die politischen Häftlinge waren nach Artikel 58 des Strafgesetzbuches als „Konterrevolutionäre“ verurteilt worden, im Lagerjargon wurde sie einfach „58er“ genannt. Nach dem Sieg über Deutschland 1945 kamen auch etwa 200.000 Rotarmist*innen, die aus deutscher Kriegsgefangenschaft befreit und zur Strafe für ihren „Verrat“ verurteilt worden waren, in Arbeitslagerhaft. Sie alle leisteten Zwangsarbeit, beispielsweise im Kohle-Bergbau wie Dawid Dodin.

Erinnerungsarbeit und Denkmäler

Die Aufarbeitung dieser Zeit ist bis heute nicht abgeschlossen, auch deshalb, weil die staatlichen Behörden nicht alle Unterlagen zur Verfügung stellen: Die Benennung der Täter*innen bleibt eine Leerstelle. Auch die Rolle Stalins wird heute in Russland keinesfalls eindeutig gesehen.

Das Denkmal ist ein Findling von den Solowezki-Inseln im Weißen Meer, wo das GULAG-System begann. Am Gedenktag werden auf dem Platz die Namen der Opfer verlesen. © Fotografin: Oksana Juschko

Ab Mitte der 1980er Jahre, in der Regierungszeit von Michail Gorbatschow, begann eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema. Es gibt zahlreiche Erinnerungsberichte von Betroffenen, schriftlich und als Video-Interviews, gesammelt von einer Bürgerinitiative, aus der 1989 die Menschenrechtsorganisation Memorial wurde. Sie setzt sich bis heute für die Erinnerung an die staatlichen Verbrechen ein und initiiert Denkmäler an historischen Orten und im öffentlichen Raum. Das erste Denkmal wurde 1988 in Workuta aufgestellt, dort war Igor Gurjewitsch in der Nachkriegszeit inhaftiert. Auch vor dem Moskauer Geheimdienstgebäude am Lubjanskaja-Platz, genannt Lubjanka, wo Olga Golowina über Jahre verhört wurde, steht ein Denkmal von Memorial.
Seit 2001 gibt es in Moskau auch ein Museum für die Geschichte der GULAG, das Ausstellungen und Veranstaltungen zum Thema organisiert und von der Stadt Moskau finanziert wird. An den historischen Orten ist heute kaum noch etwas zu sehen. In Perm in der Nähe des Ural gibt es ein kleines Museum. Von dort stammen die folgenden Fotos. Sehr wahrscheinlich sind an den Orten, die man hier sieht, keine ehemaligen Kriegsgefangenen gewesen, sondern Menschen, die aus anderen Gründen „bestraft“ wurden.

Die folgenden Fotos stammen aus einem Album, das den Bau des Wasserkraftwerkes Ponyschskaja im Jahre 1943 zeigt.


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